Was bleibt.

Archiv der erzählenden Dinge

Nicht alles war schlecht … Von jeher werden in meiner Familie DINGE bewahrt, wertgeschätzt und irgendwann weitergegeben. So aufgewachsen und erzogen, finden sich auch in meinem heutigen Haushalt viele von Eltern und Großeltern hinterlassene Dinge. Ich bewahre und schätze sie wegen des schönen Materials, ihrer besonderen Ästhetik, ihrer noch immer perfekten Funktion oder einfach wegen ihres Erinnerungswertes. Darunter sind auch Dinge, die in der DDR angeschafft wurden, z. B. auch das von Ehrenfried in diesem Blog mit einem Foto belegte Rührgerät „Komet RG 25“ aus dem Jahr 1974, mit dem auch ich noch immer, 46 Jahre später, Teig rühre oder Sahne schlage.

Als ich vor zwei Jahren im Rahmen des Festival-Projektes „Tagebuch zwischen den Zeilen“ von der Gruppe Agencia EL SOLAR zu meinem Leben in der DDR befragt und um ein „typisches DDR-Ding“ gebeten wurde, übergab ich den Künstler*innen spontan den DEDERON-FALTBEUTEL meines Vaters, Ende der 80er Jahre in mein Eigentum übergegangen. Er ist dezent grau gemustert, der meiner Mutter, nun allein noch in meinem Gebrauch, ist kräftig bunt, heute „retro“.

Den praktischen Faltbeutel, auch Einkaufsbeutel genannt, hatte wohl ein jeder DDR-Bürger mit eigenem Haushalt bei sich, wenn er nicht das ebenso praktische Einkaufsnetz mit den Ledergriffen bevorzugte. DDR-typisch – weil es ja damals bei uns weder Taschen noch Tüten aus Plastikfolie gab. Fast alle Lebensmittel wurden in Papierverpackungen unterschiedlicher Qualität gehandelt, in fettdichtes Papier gewickelt oder lose transportiert.
Der Faltbeutel war auch deshalb so DDR-typisch, weil er stets zur Hand war, wenn es „etwas gab“ … etwas Besonderes, über den täglichen Bedarf hinaus.
Wahr ist allerdings auch, dass die „West“-Tüten mit den auffallenden Aufdrucken bestimmter Marken bei DDR-Bürgern begehrt waren und sorgsam für besondere Gelegenheiten gehütet wurden.


Heute, Jahrzehnte später, haben wir nun wieder einen Einkaufsbeutel dabei, aus Leinen oder Jute, waschbar, wiederverwendbar, nachhaltig. Nicht, falls es irgendwo etwas über den täglichen Bedarf hinaus geben könnte – was sollte das auch sein? – sondern aus Gründen des Umweltschutzes.
Zurück in die Zukunft: ein Anfang!


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