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Archiv der erzählenden Dinge

Monika – „Die Schlüssel habe heute ich.“

Monika wollte sich ihre Liebe zu einem West-Berliner nicht verbieten lassen und versuchte 1983, aus der DDR zu fliehen. Sie wurde in Prag festgenommen und saß zweieinhalb Jahre im Gefängnis – erst in der Untersuchungshaft des Stasi-Gefängnisses Berlin-Hohenschönhausen, dann im Frauengefängnis Hoheneck und später in der Abschiebehaft in Chemnitz, bevor sie freigekauft wurde und endlich als freie Bürgerin in die BRD durfte. Heute gibt Monika Führungen in Hohenschönhausen und Hoheneck und erzählt von ihren Erfahrungen im Unrechtssystem der DDR.

Der damalige Freund besuchte Monika so oft er konnte in Ost-Berlin – bis er im Oktober 1982 plötzlich nicht mehr einreisen durfte, vermutlich wegen Monikas Ex-Mann, der Mitarbeiter der Staatssicherheit war. Während sie im Gefängnis saß, versuchte ihr Freund in West-Berlin mit allen Mitteln, ihre Freilassung zu erwirken. Er ging an die westdeutsche Presse, sprach mit Regierungsvertreter*innen der BRD und erwirkte sogar eine Audienz beim damaligen Papst Johannes Paul II.

Aufgrund des starken Drucks wurde Monika 1985 mit dem ersten Transport von Hoheneck in die Abschiebehaft nach Chemnitz verlegt, wo sie erneut von der Stasi verhört und schließlich isoliert wurde, damit sie von den Bemühungen ihres Freundes nichts mitbekam. Davon erfuhr Monika jedoch erst nach dem Mauerfalldurch die Einsicht ihrer Akten. Während die meisten Frauen nur ein paar Wochen in der Abschiebehaft bleiben mussten, verbrachte Monika dort vier Monate, bis sie endlich in die BRD ausreisen durfte.

Als sie endlich mit einem Transport in die BRD gebracht wurde, holte sie ihr Freund ab und schenkte ihr diese Schallplatte, die Monika bis heute aufbewahrt. Das Lied „Die Mauer“ von Christian Anders erzählt die Geschichte einer Liebe zwischen Ost und West, die trotz Repression, Überwachung und Verhaftung besteht und Grenzen überwindet– und damit auch die Geschichte von Monika.

Als sie 1985 mit einem Transport dort ankam, holte sie ihr Freund ab und schenkte ihr diese Schallplatte, die Monika bis heute aufbewahrt. Das Lied „Die Mauer“ von Christian Anders erzählt die Geschichte einer Liebe zwischen Ost und West, die trotz Repression, Überwachung und Verhaftung besteht und Grenzen überwindet – und damit auch die Geschichte von Monika.

Nach ihrer Ankunft ‚im Westen‘ kämpfte Monika lange dafür, auch ihre Kinder nachzuholen. Ihr jüngster Sohn war nach ihrer Verhaftung ins Kinderheim gebracht worden, ihr älterer war bei ihren Eltern. Immer wieder hatte die Stasi versucht, Monika dazu zu zwingen, ihren ältesten Sohn zur Adoption freizugeben, unter dem Vorwand, dass er nicht mit in die BRD wollte. Monika blieb hart und der Sohn blieb bei ihren Eltern, die auch das Sorgerecht erhielten. Einige Monate nach ihrer Freilassung durfte ihr jüngerer Sohn zu ihr nach West-Berlin. Die Übergabe fand am S-Bahnhof Friedrichstraße durch das Rote Kreuz statt. Monika hatte ihren mittlerweile sechsjährigen Sohn zu diesem Zeitpunkt fast drei Jahre nicht gesehen.

Zum Treffen kam ihr Kind mit einem großen Teddy in der einen, einem Pfeifkessel in der anderen Hand sowie mit einem riesigen Koffer voller Handtücher und Wäsche. Monikas Mutter wollte ihrer Tochter auf diese Weise möglichst viele ihrer Sachen zukommen lassen, denn durch die Haftumstände hatte sie nichts aus der DDR mitnehmen können. Wie Monika heute schmunzelnd erzählt, erklärte ihre Mutter später am Telefon, dass sie ihr etwas Gutes tun wollte, da sie gehört hatte, im Westen seien Töpfe so teuer.

Zudem hatte sie in der Hosentasche des Jungen einen Ring versteckt. Dort mit einer Sicherheitsnadel befestigt, sollte er von den Grenzsoldat*innen nicht entdeckt werden. Die Mutter hatte den Ring auf Monikas Anweisung hin von ihrem restlichen Geld gekauft, während sie in Haft war – als Andenken an ihre Tochter. Die Mutter gab Monika den Ring zu ihrer Freilassung zurück. Bis heute hebt sie ihn in einer kleinen, blauen Schachtel sorgsam auf.

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