Was bleibt.

Archiv der erzählenden Dinge

Monika – „Die Schlüssel habe heute ich.“

Monika wollte sich ihre Liebe zu einem West-Berliner nicht verbieten lassen und versuchte, aus der DDR zu fliehen. Sie wurde in Prag festgenommen und saß zweieinhalb Jahre im Gefängnis – erst in der Untersuchungshaft des Stasi-Gefängnisses Berlin-Hohenschönhausen, dann im Frauengefängnis Hoheneck und später in der Abschiebehaft in Chemnitz, bevor sie freigekauft wurde und endlich als freie Bürger*in in die BRD durfte. Heute gibt Monika Führungen in Hohenschönhausen und Hoheneck und erzählt von ihren Erfahrungen und dem Unrechtssystem in der DDR.

Monikas damaliger Freund aus West-Berlin besuchte Monika so oft er konnte in Ost-Berlin. Doch im Oktober 1982 durfte er plötzlich nicht mehr einreisen – wie Monika später aus ihrer Akte erfuhr, war dies vor allem wegen ihrem Ex-Mann, einem Mitarbeiter der Staatssicherheit. Während Monika im Gefängnis war, versuchte ihr Freund in West-Berlin mit allen Mitteln, ihre Freilassung zu erwirken. Er ging an die westdeutsche Presse, sprach mit Regierungsvertreter*innen der BRD und erwirkte sogar eine Audienz beim damaligen Papst Johannes Paul II.

Aufgrund dieses starken Drucks wurde Monika 1985 mit dem ersten Transport von Hoheneck in die Abschiebehaft nach Chemnitz verlegt, wo sie wieder von der Stasi verhört und isoliert wurde, damit sie von den Bemühungen ihres Freundes nichts mitbekam. Dies erfuhr Monika jedoch erst sehr viel später durch die Einsicht ihrer Akten nach dem Mauerfall. Während die meisten Frauen nur ein paar Wochen in der Abschiebehaft bleiben mussten, verbrachte Monika dort vier Monate, bis sie endlich in die BRD ausreisen durfte.

Als sie endlich mit einem Transport in die BRD gebracht wurde, holte sie ihr Freund ab und schenkte ihr diese Schallplatte, die Monika bis heute aufbewahrt. Das Lied „Die Mauer“ von Christian Anders erzählt die Geschichte einer Liebe zwischen Ost und West, die trotz Repression, Überwachung und Verhaftung besteht und Grenzen überwindet– und damit auch die Geschichte von Monika.

Als Monika 1985 in die BRD entlassen wurde, kämpfte sie lange Zeit dafür, auch ihre Kinder nachzuholen. Ihr jüngster Sohn war nach ihrer Verhaftung ins Kinderheim gebracht worden, ihr älterer war bei ihren Eltern. Immer wieder versuchte die Stasi, Monika dazu zu zwingen, ihren ältesten Sohn zur Adoption freizugeben, unter dem Vorwand, dass ihr Sohn nicht mit in die BRD wollte. Monika blieb hart und der Sohn blieb bei ihren Eltern, die auch das Sorgerecht erhielten. Einige Monate nach ihrer Freilassung durfte ihr jüngerer Sohn zu ihr nach West-Berlin. Die Übergabe fand am S-Bahnhof Friedrichstraße durch das Rote Kreuz statt. Monika hatte ihren mittlerweile sechsjährigen Sohn fast drei Jahre nicht mehr gesehen

Als Monika ihren Sohn wiedersah, kam er mit einem riesigen Koffer mit Handtüchern und Wäsche von Monika, dazu in einem Arm einen großen Teddy und im anderen einen Pfeifkessel. Monikas Mutter wollte ihrer Tochter möglichst viele Sachen zukommen lassen, denn Monika durfte durch ihre Haft nichts aus der DDR mitnehmen. Wie Monikas Mutter später am Telefon erklärte, wollte sie Monika etwas Gutes tun, da sie gehört hatte, dass die Töpfe im Westen so teuer seien, wie Monika heute schmunzelnd erzählt.

Zudem war in der Hose des Jungen dieser Ring versteckt – mit einer Sicherheitsnadel in der Hosentasche befestigt, um nicht von den Grenzsoldat*innen entdeckt zu werden. Während Monikas Inhaftierung hatte Monika ihre Mutter angewiesen, von ihrem restlichen Geld diesen Ring zu kaufen, um ein Andenken an sie zu haben. Ihre Mutter gab ihn ihr zu ihrer Freilassung zurück und Monika hebt ihn bis heute in einer kleinen, blauen Schachtel sorgsam auf.

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