Was bleibt.

Archiv der erzählenden Dinge

Dieser Abreißkalender hängt schon seit vielen Jahren in Marios Laden VEB Orange. Doch anders als die meisten anderen Dinge des Inventars  ist der Kalender nur zum Anschauen da und nicht zu verkaufen – das lässt sich am kleinen „X“ ablesen, das den Rand markiert. Unverkäuflich ist der Kalender, weil er von einem ganz besonderen Datum im Leben einer jungen Frau erzählt: Am 25. Oktober 1989, etwa zwei Wochen vor Mauerfall, durfte sie per Antrag nach West-Berlin ausreisen . Sie konnte nur einen kleinen Koffer mitnehmen. Ihre Wohnung, komplett eingerichtet, ließ sie zurück. Und mit ihr auch den Abreißkalender, der seit diesem Tag wie in der Zeit stehen geblieben ist. Als die Frau ein paar Wochen nach dem Mauerfall wieder nach Ost-Berlin zurückkonnte, fand sie ihre Wohnung exakt so vor, wie sie diese verlassen hatte. Den Kalender hob sie als wichtiges Zeitzeugnis auf.

Als sie viele Jahre später den Laden von Mario entdeckte, entschloss sie sich, den Kalender Mario zu vermachen. Und seitdem hängt er an einem der vielen Regale im VEB Orange, fast unscheinbar. Doch wer genau hinhört und nachfragt, der bekommt die Geschichte erzählt, die in ihm schlummert.

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