Was bleibt.

Archiv der erzählenden Dinge

„Ich werde bei den Dingen aus der DDR nicht sentimental. Aber die Dinge in der DDR, die mir wirklich wichtig waren, waren die Bücher. Es gab so wunderbare Bücher in der DDR. Natürlich gab es die alle im Westen auch, das ist logisch. Aber diese Bücher waren so erworben. Da musste man drum kämpfen, um sie zu bekommen: du musstest stundenlang anstehen oder Freund*innen fragen, dass sie dir Bescheid sagen, wenn dieses oder jenes Buch zu kaufen ist. Eines der wichtigsten Bücher in der DDR ist für mich „Meister und Margarita“ von Bulgakow.

Ich war vor etwa fünf Jahren in Moskau und habe dort mit Olga, einer sehr alten, deutschsprachigen Frau, einen Spaziergang gemacht. Und sie wusste nicht, dass ich das Buch „Der Meister und Margarita“ gelesen hatte. Aber sie wusste, ich bin ‚Osten‘ und sie ist ‚Osten‘. Und sie hat mit mir einen Spaziergang durch Moskau gemacht und mir die ganzen Orte aus diesem Buch gezeigt. Ohne zu wissen, was ich sehen will. Und das ist für mich Osten, Osteuropa. Ja, du siehst dich, und weißt, dass das auch dein Buch ist. Das war das Positive am Osten, dass man diese Verbindung miteinander hatte. Ich glaube, an diesem Buch mache ich meine DDR-Identität fest.“

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